Memorandum

zum Erhalt des Kulturdenkmals Altstadt Witzenhausen
Stand: September 2016
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Gemeinsam Denkmale erhalten

Hinweis:
Anlässlich der jährlichen Veranstaltung Tag des offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Sitz in Bonn und dem bundesweit am 11. September 2016 aufgerufenen Thema Gemeinsam Denkmale erhalten wird diese Denkschrift mit dem Ziel verfasst, Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Witzenhausen die Möglichkeit zu bieten, eine Stellungnahme für den Erhalt des Kulturdenkmals Altstadt Witzenhausen durch ihre Unterschrift zu bekunden. Mit diesem von Bürgern unterschriebenen Memorandum kann den gewählten Vertretern aus Verwaltung und Politik eine Empfehlung für die zukünftige Stadtentwicklung in Witzenhausen ausgesprochen werden.

Diese Denkschrift orientiert sich an den örtlichen Herausforderungen für den Erhalt des  baukulturellen Erbes in Witzenhausen und an dem Memorandum des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit, zum Erhalt des baukulturellen Erbes in unseren Städten, 2008.

Herausgeber:
Bürgerverein zur Förderung der Bau- und Wohnkultur Witzenhausen e.V.,   Kirchstraße 16,   37213 Witzenhausen
Telefon:  05542/9538007
E-Mail:  info@bau-und-wohnkultur-witzenhausen.de
Internet:  www.bau-und-wohnkultur-witzenhausen.de

Ausgangslage Städte wie auch ländliche Regionen werden geprägt durch die Häuser in ihrer historisch gewachsenen Baukultur. Das baukulturelle Erbe einer Stadt zeigt damit ihr unverwechselbares Gesicht, steht für die Entwicklung ihrer Geschichte, gibt Heimat und Identität.  Es sind Kulturgüter entstanden, die es wert sind, erhalten und gepflegt zu werden, haben sie doch eine starke Ausstrahlungskraft auf das Wohlempfinden der Menschen und die Lebensqualität  eines Ortes, einer Stadt und einer ganzen Region.

Das bauhistorische Erbe in Nordhessen ist vor allem geprägt durch die über Jahrhunderte gewachsene Fachwerkbauweise.  Die Stadt Witzenhausen hat mit ihrem innerstädtischen Fachwerkensemble  in der Altstadt ein Gesamtkulturdenkmal,  das als besonders schützenswert gilt. Insbesondere die kleinmaßstäblichen Strukturen der Innenhöfe mit ihren Nebengebäuden erschließen ein innerstädtisches Idyll mit Dachlandschaften, die behutsam zu wertschätzen sind. Innerhalb der teilweise noch erhaltenen Stadtmauer, dem ältesten Denkmal aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, finden sich hier weitere 150 Einzeldenkmäler, die  baukulturell und städtebaulich von großer Bedeutung für diese Stadt  sind.

Das Handwerk Die Rolle des Handwerks ist für den Erhalt der Denkmäler unverzichtbar.  Fachwerkhäuser wurden traditionell im Handwerk mit den Baustoffen Holz, Lehm und Kalk errichtet, ein über Generationen weitergegebenes und  bewährtes Wissen, dass Fachwerkhäuser über Jahrhunderte alt werden ließ.   Erst mit dem Aufkommen von Industrieprodukten und dem bis heute anhaltenden marktwirtschaftlichen Ringen um Kunden, haben sich Materialien und Bauweisen in die Fachwerkhäuser eingeschlichen, die den Zerfall der Häuser und die Wohngesundheit der Menschen bedrohen können.  Für Ratsuchende hat Witzenhausen ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerker, ein Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe,  zahlreiche Aus- und Fortbildungsangebote, einen ökologischen Baustoffmarkt  sowie eine Fachwerk Sprechstunde des Vereins Bau- und Wohnkultur e. V. zu bieten.

Klimaschutz Der fachgerechte Erhalt und die Pflege von bestehenden Gebäuden sind ein ressourcenschonender und nachhaltiger Beitrag für den Klimaschutz. Abriss und Neubau dagegen sind energieaufwendiger und fördern  die synthetische Industrieproduktion, für die es noch keine Erfahrungswerte gibt in punkto Lebensdauer, Ressourcenverbrauch, Entsorgung und Wohngesundheit.

Förderung Für die fachgerechte Sanierung von Denkmälern ist eine finanzielle Unterstützung der Eigentümer durch entsprechende Förderprogramme dringend notwendig.

Gemeinsam Denkmale erhalten Der Erhalt und die Pflege der Denkmäler sind eine sinnvolle Aufgabe für die lebendige Zukunft der Stadt. Jeder Hauseigentümer steht mit der Bewältigung dieser Herausforderung zunächst allein da. Dieses Memorandum möchte mit ihren Unterzeichnern Eigentümer von Kulturdenkmälern aufrufen, sich als Teil dieser Gemeinschaft zu sehen. Gemeinsam Denkmale erhalten heißt auch, Freude und Wertschätzung von anderen zu erhalten, wenn wieder ein Stück Denkmal geschafft wurde.

Wir stellen fest, dass den Hauseigentümern der Altstadt bis dato kein unterstützendes Förderprogramm bei der Sanierung ihrer Denkmäler zur Verfügung steht.

Wir empfehlen, Hausbesitzer bei der Sanierung ihrer Denkmäler finanziell zu unterstützen, beispielsweise durch ein neues Städtebauförderprogramm oder andere Förderprogramme.

Wir empfehlen grundsätzlich eine Förderberatungsstelle zum Erhalt und Umbau von Denkmälern einzurichten.

Wir empfehlen, das Handwerk und den fachgerechten Selbstbau vor Ort zu fördern.

Wir stellen fest, dass der Erhalt und die Pflege des Kulturdenkmals Altstadt Witzenhausen  einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz und zur lokalen Wertschöpfung leisten kann.

Wir treten dafür ein, das Kulturdenkmal Altstadt als Ganzes und in seinen Teilen gemeinsam erhalten zu wollen.

Im Namen des Bürgervereins zur Förderung der Bau- und Wohnkultur Witzenhausen e.V. und 360 Persönlichkeiten aus der Stadt, die das Memorandum unterzeichnet haben.