Hof- und Kamingespräche

Biohauptstadt Witzenhausen
Ökologische Landwirtschaft sichtbar machen
Von Diana Wetzestein

18.05.2015_Witzenhausen. Vieles ist möglich. So jedenfalls zeigte sich das Ergebnis des ersten Hof- und Kamingespräches der Bau- und Wohnkultur Witzenhausen. „Touristen, die diese Stadt besuchen, erkennen im Stadtbild noch nicht, dass sie sich in der Hochburg des Ökolandbaus befinden“, so Veronika Kühnapfel.
Aus diesem Grund hatte der Bürgerverein am vergangenen Mittwochabend in das ehemalige Café Pustekuchen in der Ermschwerder Straße 18 zu der Frage eingeladen, wie dieses einzigartige Potential in der Stadt sichtbar gemacht werden kann.
Die gut besuchte Veranstaltung mit Gästen aus Bürgerschaft, Politik, Verwaltung, Universität und Bioproduzenten ermöglichte innerhalb nur kurzer Zeit das Zusammentragen einer vielseitigen Ideensammlung.

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Die Zeichnerin Tanja Wehr von den Sketchnotelovers aus Göttingen machte die vielen, zugerufenen Gedanken kreativ sichtbar. Mit wenigen Linien zeichnete sie  im Wesentlichen ein Ökolabel der Modellregion und zahlreiche Bioläden, auf deren Schaufenstern dieses Label von außen deutlich zu erkennen ist, ein kreatives Hinweisschild am Eingang der Stadt, auf dem das Wort „Biohauptstadt“ zu lesen ist, ein Bio-Touristenbus und Blühstreifen an den Zufahrtsstraßen aus Mohn- und Kornblumen, eine mobile Ausstellung in leer stehenden Ladengeschäften, die einladend gestaltet sind mit Informationen über regionale Bioprodukte, eine Werrabrücke für Fußgänger und Fahrradfahrer, die die Stadt wieder zusammenwachsen lässt, ein Biowochenmarkt am Abend für Berufstätige, all das und noch viel mehr könnte demnächst diese Biohauptstadt attraktiv gestalten.

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„Wir können uns an dieser Stelle auch in Erinnerung rufen, dass es vor allem die Ackerbürger waren, die diese Stadt aufgebaut haben“, so Veronika Kühnapfel. Sie haben über die Jahrhunderte hinweg alle Herausforderungen gemeistert, die Stadt und ihre Dörfer immer wieder aufgebaut und die Menschen ernährt.
Die Landwirtschaft prägt diese Stadt bis heute.

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1971 wurde hier der erste Lehrstuhl in ganz Deutschland für Ökologischen Landbau eingerichtet. Heute können 1.100 Studenten in Witzenhausen 20 von 38 Professuren für ihre Ausbildung nutzen.
„Hier gibt es das Original, das sage ich meinen Studierenden immer wieder“, sagte Prof. Jürgen Hess, Fachgebietsleiter Ökologischer Land- und Pflanzenbau der UNI-Kassel in Witzenhausen. „ Wir kommen mit der Produktion ökologischer Produkte nicht nach, der Ökomarkt wächst weltweit jährlich um eine Milliarde Euro, momentan werden acht bis neun Milliarden Euro dort umgesetzt“.
Prof. Hess begrüßte es deshalb sehr, den Ökolandbau in Witzenhausen als Alleinstellungsmerkmal zu nutzen und dieses in der Stadt sichtbar zu machen.

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Auch Dr. Rainer Wallmann, Erster Kreisbeigeordneter sieht hier eine Chance, das „Profil der Bioregion Werra-Meißner“ weiterzuentwickeln. Der Werra-Meißner-Kreis ist „Modellregion Ökolandbau Nordhessen“. Er plädierte dafür, Ressourcen zu vernetzen die Ergebnisse über die Kreisgrenzen hinaus sichtbar zu machen.

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Sabine Marten ist Koordinatorin des Projektes Modellregion Ökolandbau Nordhessen und zuständig für Witzenhausen. Sie gab an diesem Abend einen Überblick darüber, wie vielfältig ihre Arbeit ist. Neben der Netzwerkarbeit sollen durch ihre Arbeit auch Bio- und Hofläden erweitert, Bildungsangebote ausgebaut, regionale Erzeuger und Ökolandbau gleichermaßen gefördert werden.
„Wenn aus den Ideen Projekte werden, finde ich das klasse“, sagte Bürgermeisterin Angelika Fischer.
Am Ende dieser stimmungsvollen Veranstaltung hatte Tanja Wehr über 40 Ideen bildhaft in Szene gesetzt. Diese werden jetzt von einer Auswertungsgruppe, die vom Bürgerverein gebildet wurde, nach Zuständigkeiten sortiert und dann an die richtigen Partner weitergeleitet. Was die Bürger in Eigenregie umsetzen können, das wird in den kommenden Wochen im Zukunftsbüro der Bau- und Wohnkultur Witzenhausen in der Kirchstraße 16 weiter ausgearbeitet.